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Ein besonderer Karate-Ort

Siamak Montazeri holt immer wieder namhafte Karateka nach Regensburg. Manchmal sind die Akademie-Schüler selbst die Stars.

Karate ist eine traditionelle Sportart. Karate ist der Ausdruck einer Lebensart und hat fast philosophischen Charakter. In der Puricellistraße ist das gut zu verfolgen. Sensei Siamak Montazeri gibt seit drei Jahrzehnten in Regensburg in seiner Akademie seine Leidenschaft auf höchstem Niveau weiter. Er lehrt, in dem er selber zeigt – und er lehrt, indem er die Besten der Besten seiner Sportart zum Beispiel aus seinem Heimatland Iran immer und immer wieder in seine Karate-Schule holt und so seine Schüler am außergewöhnlichen Können und Wissen außergewöhnlicher Sportler partizipieren lässt.

Bisweilen aber bedarf es gar keiner internationalen Stars, sondern die Mitglieder der Karate-Akademie glänzen höchstselbst. Clemens Schönleber war so ein Beispiel. Als der junge Mann hörte davon, dass Sensei Montazeri seine Goldmedaille vom Akademie-Jubiläum versteigern wollte, ergriff der 20-Jährige in beeindruckender Manier die Initiative. „Wir haben 3000 Karate-Vereine in Deutschland. So eine Medaille wird vielleicht 25, 30 Mal im Jahr bei Jubiläen und an verdiente Vereine verliehen – also gerade mal an ein Prozent“, erklärt Wolfgang Weigert die Besonderheit der Auszeichnung, die der Präsident des Deutschen Karate-Bundes auch an Montazeri vergeben hatte.

„Bei mir wäre die Medaille aber nur im Schrank gelegen. Also wollte ich damit etwas Gutes tun“, sagte Montazeri, der seit 1995 bereits zum 20. Mal eine Benefizaktion startete und mit 500 Euro das Startgebot geliefert hatte. „Es gab Leute, die 600, 700 Euro geboten haben, aber Clemens hat alle übertroffen.“ Der 20-Jährige bekam für 1000 Euro den Zuschlag. „Er hätte damit in der besten Diskothek feiern können, aber stattdessen gibt er das Geld krebskranken Kindern. Das ist etwas, was ich sehr bewundere“, sagte Montazeri, der den Scheck an Franz-Josef Helmig, den Vorstand des Vereins für krebskranke und körperbehinderte Kinder, kurz VKKK, übergab.

An der Wand statt im Schrank

„Ich wollte einen Beitrag leisten, dass es den Kindern besser geht“, erklärt der selbst ein wenig beeinträchtigte Clemens Schönleber und hat bei sich zuhause einen guten Platz für die Medaille an der Wand gefunden. „Da kann ich sie jeden Tag sehen.“ Und seine Mutter Eveline ergänzt: „Clemens wollte damit auch den Sensei ehren. Die Medaille hat also zwei Seiten.“

Mutter und Sohn schätzen das Karate-Training sehr. „Ich habe immer Sportarten gemacht, die ganz anders waren. Beim Karate braucht es auch Herz und Seele“, sagt die ehemalige Leichtathletin. „Mir macht es sehr viel Spaß – und es bringt mir etwas für den Alltag“, sagt Clemens Schönleber. „Und wenn es gar keinen anderen Weg mehr gibt, kann man sich wehren.“

Sensei Siamak Montazeri hat den siebten von zehn Dan-Graden auf Schwarzgurt-Niveau. Auf den achten muss er nur noch ein wenig warten, weil ihm das vorgeschriebene Mindestalter von 60 Jahren (noch) fehlt. Immer wieder bringt Montazeri in seiner Akademie Menschen unterschiedlichsten Alters und unterschiedlichster Couleur auf neue Ebenen. Zuletzt bewarben sich 15 seiner Schüler – und damit ein ungewöhnlich großer Kreis, wie er sonst nur in Großstädten üblich ist – für den begehrten Schwarzgürtel und damit den ersten Dan. Zur Erklärung: Über die farblichen Gürtel-Vorstufen in Weiß, Gelb, Orange, Grün, Blau/Violett und Braun kämpfen sich die Karateschüler nach oben. „Voraussetzung sind also mindestens acht Jahre Training“, erklärt Montazeri.

Unter den Argusaugen des prüfenden Präsidenten Wolfgang Weigert stellten sich Schwarzgurt-Kandidaten von 18 bis 70 Jahren nach zwei Monaten schweißtreibender Vorbereitung mit mindestens dreimal wöchentlichem Training (Montazeri: „Sonst hätte ich sie gar nicht angemeldet“) zur Präsentation ihrer Grundtechniken, dem Schatten- und Freikampf. Überprüft werden „Mut, Konzentration und Selbstbewusstsein“, erklärt Montazeri.

Stefan Lermer ist einer der dienstältesten in der Akademie und hat vor 28  Jahren mit Karate begonnen. „Ich hätte nie geglaubt, dass ich soweit komme“, sagt der Polizist, der in Karate den „besten Ausgleich zum Beruf“ sieht. „Nach einer Stunde ist der Kopf frei“, sagt der 56-Jährige, der von Karate schwärmt. „Das ist Energie, Power, Durchhaltevermögen und ein Stück Anerkennung“, sagt Lermer, der sich vor der Prüfung wie „vor einer wichtigen Schulaufgabe“ fühlte. „Karate hat für mich einen gewissen Sucht- und Gesundheitsfaktor.“ Besonders imponiert Lermer die Atmosphäre: „Dein Beruf interessiert keinen. Hier geht man respektvoll und mit Anstand miteinander um.“

Mit 70 fängt Karate erst an

So ist Bernd Plock auch ein ganz normaler Schwarzgurt-Bewerber. Der ehemalige Unfallchirurg hatte im Berufsleben Schwierigkeiten, Karate zu integrieren. Jetzt ist er mit 70 der älteste Bewerber und sagt: „Es ist einfach an der Zeit. Bisher war alles ja nur Vorschule. Karate fängt ja erst mit dem ersten Dan richtig an.“ Plocks Pendant ist Fabio Steinbeißer, der mit sieben Jahren begann und nun schon im zwölften Jahr Karate betreibt. „Ich habe nie aufgehört, weil ich immer irgendetwas mit Kampfsport machen wollte“, sagt Steinbeißer und gesteht Nervosität. „Der erste Dan ist etwas Besonderes.“

Das Nervenkostüm flatterte bisweilen unter der gestrengen Beobachtung, nicht jeder Handgriff saß. Präsident Weigert, der weltweit für Karate als Sport für alle Altersgruppen kämpft, schmunzelte manches Mal. Doch um Perfektion ging es bei der Prüfung auch gar nicht, sondern vielmehr darum, ob alle Karate dan-würdig intus haben. Hatten sie auch, alle bestanden. Siamak Montazeris Akademie ist ein ganz besonderer Karate-Ort mit einem ganz besonderen Karate-Geist.

(Von Claus-Dieter Wotruba, 12. Oktober 2018, Quelle: Mittelbayerische Zeitung - PDF-Download)

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